|
Home |
|
Auf dem Flugzeugträger Theodore Roosevelt |
|
|
Zwei Tage auf dem Flugzeugträger Theodore Roosevelt Eindrücke eines ganz besonderen Besuchs bei der US Navy
Einen Tag vor Abflug zum Flugzeugträger sollten wir in Norfolk anreisen, damit wir schon früh am nächsten Tag abflugbereit sind. Es ging dann aber doch erst um 10 Uhr los, Abfahrt vom Hotel mit einer kleinen Sightseeingtour über die Naval Base zum Briefing. Zu sehen gab es einige Zerstörer, U-Boote, Versorgungsschiffe und andere kleinere Kriegsschiffe. Im Briefing berichtete der Presseoffizier über die Flotte und Organisation der Navy, was uns erwartet, wie wir uns verhalten sollen, Aufgaben des Personals, usw. Nach einer Stunde fuhren wir weiter zum Besucherterminal der Militärbasis. In der kleinen Hütte erwartete uns die „Kabinencrew“ des Carrier Onboard Delivery (COD) – Fliegers, einer C-2 Greyhound.
Wir legten eine Schwimmweste an, setzten den verteilten Helm auf da rollte auch schon das Flugzeug vor. Durch die Laderampe ging es in den Flieger, der die Sitze mit Blickrichtung nach hinten eingebaut hat. Fenster gibt es bis auf zwei kleine Bullaugen nicht. Zur Evakuierung gibt es zwei Notausgänge in der Kabinendecke. Wir sollten uns fest anschnallen und während des Safety-Briefings rollten wir schon zur Startbahn.
Nur 40 Minuten Flugzeit waren es zum Flugzeugträger, der vor der Ostküste bei Norfolk in einer großen Übung mit Franzosen, Briten und Brasilianern war. Im Anflug hörte man wie die Klappen und das Fahrwerk ausfuhren, lange konnte es also nicht mehr dauern. Nach ein paar steilen Kurven wedelte die Kabinencrew an der Ladeluke sitzend mit den Händen, was bedeutete, dass es ca. 20 Sekunden bis zum Aufschlag sind. Abgefangen wir nicht und mit einem Knall setzen wir auf und das Flugzeug verzögerte relativ konstant zum Stillstand (in nur 100 Metern). Am Ende denkt man, dies kann von der Landestrecke nicht alles sein und es müsste weitergehen. Die Triebwerke heulen für den „Go-Around“ wieder auf, aber man steht doch auf der Stelle. Das war für mich eine kleine Schreckenssekunde. Wir rollten in die Nähe des großen Turms oder dem Aufbau, genannt „Island“. Die Ladeklappe ging auf, wir stiegen aus und wurden gleich ins Innere des Flugzeugträgers geführt, wo auf uns wie an allen späteren Besuchsstationen im Laufe der nächsten 30 Stunden Cookies und Getränke erwartete. Die Cookies sollten wir doch immer essen, weil sonst die Offiziere dick werden. Der Commanding Officer (3. Boss an Bord) begrüßte uns mit einem Haufen von Leuten in einem Raum mit Geschenken und historischen Gegenständen von Gästen. Das Personal stellte sich vor und sagte, dass gerade 5600 Personen an Bord sind. Diese bestehen aus 3200 Leuten Schiffsbesatzung plus 2400 Leute für den fliegerischen Teil. Das Besuchsprogramm wurde erklärt, wir bekamen die Zimmerschlüssel verteilt und konnten in unsere 3-Bett-Zimmer mit Fernseher gehen, um uns kurz frisch zu machen. Jeweils zu Zweit belegten wir die Zimmer. Gegenüber den Verhältnissen in den Mannschaftskabinen mit einer Belegung von 30 Leuten war dies sehr angenehm. Von da an ging es erstmal aufs Flugdeck. Wieder wurden wir mit Schwimmweste, Helm und Brille eingekleidet.
Uns wurden die Bewegungen auf dem Flight Deck erklärt und schwups waren wir durch ein paar Luken und Gänge (die Orientierung ist sehr schwer) wieder auf dem Deck und stellen uns direkt neben die Startrampe mit dem Katapult. Immer wenn ein Flugzeug sich vor uns drehte und der Jetblast auf uns zuströmt, sollten wir uns ducken, damit wir nicht vom Deck geblasen werden. Dies kommt ab und zu vor, die letzte Rettung vom Hubschrauber hätte aber nur 3 Minuten gedauert. Der Sturz aus über 20 Meter Höhe ins Wasser ist sicherlich auch nicht ohne. Neben dem Katapult stehend, waren die Tragflächenenden der Propellerflugzeuge genau über uns, die Fläche der Jets nur ein paar Meter entfernt. Wenn die Jets die Triebwerke hochfuhren, vibrierte der ganze Körper. Trotz Helm mit Ohrmuscheln und Ohrstöpseln war es wahnsinnig laut, zusätzlich extrem heiß von der Sonne und dem Jetblast, der gegen die Schutzrampe auch seitlich abgelenkt wird. Vom Abgasgestank möchte ich gar nicht erst reden. Die Startphase war sehr interessant. Nach den kleinen Bewegungskunststücken der Flight Directors in gelben Jacken wie man es auf dem Fernseher kennt, wurden die Jets von einer Person in einer grünen Jacke am Rand sitzend „abgeschossen“. In 3 Sekunden beschleunigen die Jets auf 150 Knoten. Manche Zünden kurz danach zusätzlich den Nachbrenner. Nach einer halben Stunde und schon durchgeschwitzt ging es hinunter, wieder durch viele Gänge auf die andere Seite des Flugdecks, auf dem die Landungen stattfinden. Wieder konnten wir uns genau auf die gemalte Grenze der Landezone stellen. An der Stelle sind auch die Fangseile verankert, dichter ging es also nicht. Alle Flieger landeten ein paar Meter neben uns oder machten Touch and Go´s. Einfach genial, so dicht hatte ich noch nicht die Möglichkeit, neben einer Landebahn zu stehen. Selbst auf kleinen Sportflugplätzen steht man weiter weg.
Nach dem Sattsehen zogen wir weiter wieder nach unten (insgesamt gibt es mit der Island 18 Stockwerke auf dem Träger), wobei wir uns nur auf den Etagen ca. -4 bis 4 aufgehalten haben (zur Orientierung: Etage Null ist der Boden des Flugzeughangars im Rumpf, das Flugdeck ist Etage 4). Fahrstühle oder bequeme Treppen gibt es nicht, ständig geht es über eine Art klappbare „Dachbodenleitern“ hoch und runter. Zum Glück sprangen die Besatzungsmitglieder immer zur Seite, da wir als VIPs mit Aufschrift auf Helm und Weste wichtig erschienen. Sonst hätten die Wege noch viel länger gedauert. Ohne weiter ins Detail gehen zu wollen, die nächsten 7 Stunden bewegten wir uns sicher mehrere Kilometer. Wir sahen u.a. den Tower (Airboss), die Brücke von wo aus das Schiff gesteuert wird, die Flugsicherung (ATC), die Nachrichtenzentrale (Intelligence Center), den Kriegsraum für Angriffe (Combat Information Center), viele Kantinen, die Kapelle, Bücherei, Zahnarzt, Operationssaal, Flugzeughangar, Wartungsräume, Gefängnis, Polizeistation, Museum der Theodore Roosevelt, dem Admiral der Carrier Strike Group (CSG (der Flugzeugträger bildet mit den anderen Schiffen eine solche CSG, der Admiral ist höher als der Kapitän des Schiffes, er steuert den effektiven Einsatz)), Vorfeldkontrolle (Handler) und viel mehr. Natürlich liegen die immer nicht nebeneinander, also war viel Laufen angesagt. An jeder Station wurden wir ausführlich von den jeweils versammelten Abteilungen gebrieft, was dort wer und wie macht. Also waren wir fast überall mindestens eine halbe Stunde. Von den vielen Informationen brummte irgendwann der Kopf. Die Informationen waren immer so ausführlich, dass es kaum Fragen am Ende gab. Es kam auch langsam Hunger auf, das letzte richtige Essen war das Frühstück. Das Abendessen haben wir zusammen mit dem Kapitän eingenommen. Er hat alle Abteilungschefs eingeladen und wir wurden verteilt am Tisch so gesetzt, dass wir mit dem Personal gut ins Gespräch kamen. Ziel war es, mit vielen Leuten in Kontakt zu kommen und möglichst viel über ihre Arbeit zu erfahren.
Nach dem Abendessen und einigen weiteren Besuchsstationen guckten wir uns von der Brücke und der Terrasse auf der Island die Nachtoperation an. Dort waren keine Fotos erlaubt, um Blitze zu vermeiden, die die Piloten bei der Landung ablenken könnten. Um 23 Uhr ging es Richtung Schlafkabinen. An Schlafen war aufgrund der Aufregung nicht zu denken. Außerdem ging der Flugbetrieb bis 2 Uhr weiter. Womit wir noch mal zum Lärm an Bord kommen. Das Aufsetzen der Flugzeuge, das Aufwickeln der Fangseile und das Katapult, was am Ende gegen den Anschlag haut (eigentlich wird es durch Verdrängung von 300 Gallonen Wasser sanft abgebremst) und der Triebwerkslärm ist durch das gesamte Schiff zu hören.
Morgens um 7:30 sollte das Programm weitergehen. Wir wollten aber schon um 7 Uhr loslegen und fingen den Tag mit einem Spaziergang auf dem Flugdeck an. Das anschließende Frühstück nahmen wir mit den Offizieren ein. Um 8 Uhr guckten wir uns das Auffüllen der Tanks für den Jetfuel an. Ein Versorgungsschiff fuhr neben uns und es wurden über Seile die Tankschläuche herübergeholt. In einer Stunde wurden 2 Millionen Liter Sprit umgepumpt. Bei der Gelegenheit sah man endlich mal auch ein Cruiser (ein Schiff, eine Stufe kleiner als Zerstörer, die es nicht mehr gibt), der nun hinter uns fuhr. Die U-Boote sind natürlich schwer zu sehen, aber selbst die anderen 10 Kriegsschiffe waren im Dunst nicht zu erkennen.
Das Mittagessen sollte einfacherer Natur sein. Zusammen mit den unteren Mannschaftsdienstgraden, den „Sailorn“, sollten wir diesmal in Kontakt kommen. Einige trauten sich nicht an unsere Tische zu setzen, an die wir uns wieder verteilt setzen sollten. So sprachen wir einige an und kamen doch gut ins Gespräch. So kam raus, dass einige 45 Minuten beim Essen anstanden. Komischerweise hat es bei uns nur 5 Minuten gedauert. Da gab es wohl doch wieder eine Sonderbehandlung. Besonders bleibt mir aber das Abräumen des Tabletts in Erinnerung. Dort gab es auch eine Schlange und ohne Hilfe der anderen Soldaten wäre das Abräumen schwierig geworden. Auf dem Schiff wird nämlich alles recycled. Zuerst sollten die Knochen in einem Eimer, danach die restlichen Essensabfälle. Weiter ging es mit Papier, Plastik, die einzelnen Besteckteile sortiert nach Messer, Gabel, und Löffel sollten in die Durchreiche in Körbe, danach die Gläser und Teller und am Ende das Tablett selber. Die Geschwindigkeit der Schlange war so hoch, dass ich mich am Abgabeausgang mit Tablett und Teller wieder fand. Einiger der anderen Besucher hatten schon vorher aufgegeben oder andere Soldaten waren behilflich und nahmen ihnen vorher die Tabletts ab.
Am Nachmittag versammelten wir uns im Freien auf der Terrasse der Island neben auf Höhe der Brücke und verfolgten die Aufnahme des Flugbetriebs. 20 Flugzeuge starteten zur Übung kurz hintereinander, es sollte ein Bombenangriff auf einem Übungsplatz in North Carolina geflogen werden.
Unser Abschied kam näher, nach dem Start der Jets versammelten wir uns wieder in dem Begrüßungsraum zur Verabschiedung. Es wurden ein paar Geschenke verteilt (Fotoalbum mit unserem Gruppenfoto und Landung, Urkunde, einer Mütze und einer Art Münze mit Emblem der Einheit). Jetzt ging alles wieder recht schnell, wir hörten schon die laufenden Triebwerke des COD. Weste und Helme auf, wieder ein kurzes Safety-Briefing zum Start und raus auf das Flugdeck. Die Füße sollten wir diesmal unten an die Vordersitze drücken, den Kopf nach unten halten, Hände an die Schultergurte legen und die Gurte müssten sehr fest zugezogen sein. Auf diesem Wege bekämen wir keine blauen Flecke. Schnell füllten wir den Flieger von hinten hach vorne auf, die Ladeklappe ging zu und wir rollten zum Katapult. Die Triebwerke spulten hoch, die Kabinencrew wedelte mit den Armen, diesmal als Zeichen, dass 10 Sekunden später der Start erfolgt. Plötzlich gab es einen Schlag, ich hing im Gurt und nach einem weiteren Schlag fand man sich wieder normal im Sitz sitzend wieder. Wir waren sicher in der Luft. Gegenüber der Landung ist die Beschleunigung kein Vergleich. Für den Flug konnten wir die Helme abnehmen und nach einer normalen Landung in Norfolk hatte uns das Festland wieder.
Eine Diskussion zu diesem Tripreport gibt es im Forum: >> Link <<
Diese Texte sind Eigentum des Autors. Kopieren - auch auszugsweise - ist nur nach vorheriger, schriftlicher Genehmigung durch flugbegleiter.net gestattet. Jede Zuwiderhandlung wird geahndet.
|
|
|