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An Bord von Hapagfly
 
 


Frankfurt Rhein-Main Airport, 23. Juli 2005, 01:15 Uhr

Mitten in der Nacht im dunklen Frankfurt, nach ein paar Stunden Schlaf im Crewhotel machen sich Markus und ich auf den Weg in Richtung Check-Inn-Schalter und anschliessend zum Crewraum der Hapag Lloyd. Kaum bin ich für meinen Flug eingecheckt treffen wir im Crewraum auf unseren Captain F. Niebel und der "Arbeitstag" für die beiden Piloten beginnt. Alle notwendigen Fluginformationen wie Wetter, Routing, Treibstoff- und Beladungsdaten werden entgegengenommen und besprochen.

Wenig später kommt auch die Kabinencrew dazu und man bespricht den Flug und deren Details bevor es mit dem Crewbus zum Flieger geht.

Meine Wenigkeit muss um in den Flieger zu kommen den Weg des normalen Passagiers beschreiten und so geht es rasch durch den Zoll ins Terminal wo bereits 266 Ferien-hungrige Passagiere auf das Boarding warten. Dank des Jumpseat-Permits gehöre ich dann schliesslich zu den ersten die in den Flieger gelassen werden. Mein für diesen Flug gebuchter Sitzplatz ist sogar auf dem Ticket offiziell vermerkt, schliesslich war für das ganze auch eine Bewilligung vom Deutschen Luftamt nötig.

Frankfurt Rhein-Main Airport, Stand A11, 22. Juli 2008, 02:20 Uhr

Es ist zwanzig nach zwei im Cockpit des Airbus A310-304, D-AIDD und Markus und sein Captain erledigen die letzten Starvorbereitungen während die Passagiere den Flieger betreten. Wie heutzutage üblich werden die Berechnungen mit einem Laptop gemacht.


Nebenan eine Boeing 737 der Hapag welche erst später wieder zum Einsatz kommt.

02:28 Uhr, Push back, wir werden vom Terminal zurückgestossen.


Noch während des pusb backs wird das rechte Triebwerk gestartet, dieses wird uns mit seinem Schub bis zur Runway befördern. Das zweite Triebwerk wird erst vor dem Start hochgefahren, so kann Sprit gespart werden und auch mit einem Triebwerk ist für das Rollen genügend Power vorhanden.

Markus ist auf dem ersten Leg nach Kos der "Pilot non-flying" und ist für den Funkverkehr und die Nachführung des Flugplanes zuständig. Es ist jetzt 02:39 Uhr und Captain Niebel steuert den Airbus auf die Runway 18 wo wir in wenigen Sekunden starten werden.

"Gear up" mit mächtig viel Power erhebt sich der Airbus in den dunkeln Nachthimmel über Frankfurt.


Check der Instrumente während des Steigfluges auf FL 110, auf der Air Condition-Page erscheinen derweil die Temperaturen der einzelnen Kabinenbereiche.




Draussen erscheint der Mond im Cockpitfenster.


Im Cockpit kehrt langsam Ruhe ein, nur noch vereinzelt kommen Funksprüche aus dem Lautsprecher und der Autopilot verfolgt das einprogrammierte Routing welches uns in rund 3 Stunden in Richtung Kos bringen wird.

Das Routing für unseren Flug nach Kos: Frankfurt - München - Villach - Dubrovnik - Tirana - Thessaloniki - Ägäis - Kos


Während in der Kabine die 266 Passagiere entweder schlafen, essen oder was trinken darf auch im Cockpit eine korrekte Lektüre nicht fehlen...


04:35 Uhr, langsam zeigt sich am Horizont, dass die Sonne bald aufgehen wird.


Auch das Cockpit erwacht langsam wieder zu mehr Leben und die ersten Vorbereitungen für die Landung werden gemacht.


Ohne Worte...





Meteo-Briefing


05:06 Uhr, die Insel Kos und deren Airport taucht vor uns auf. Von Ippokratis Approach hat uns eine Abkürzung gewährt und so fliegen wir mit ein paar Minuten Vorsprung auf unseren Zeitplan westlich des Airports in den Gegenanflug der Piste 32.


Kos-Airport


Visual Approach auf die Piste 32.


"Cleared to land!"




Nach der "butterweichen" Landung taxeln wir in Richtung Vorfeld wo wir bereits erwartet werden.


Es ist 06:25 Uhr, Ortszeit und ich atme den ersten Luftzug warme griechische Luft und hinter den Bergen kämpft sich die Sonne langsam gegen oben.


Da ich für diesen Flug einen Jumpseat-Permit habe und gleich wieder mit der Maschine zurück fliege, muss ich nicht extra ins Terminal und kann bei der Crew bleiben. Unser Airbus ist derweil bereits von den verschiedenen Fahrzeugen umrundet und während der Mond noch am Himmel steht wird das Catering entladen.


Hinter meinem Rücken hat es nun auch die Sonne über die Bergketten geschafft und der Tag erwacht zum Leben.


Um unseren Airbus auch in voller Pracht zu fotografieren besuche ich zusammen mit unserem Captian den Tower von Kos.


Und was macht der FO wenn der Captain mal nicht grad vor Ort ist? Na klar spotten natürlich!


Unser Airbus spiegelt sich in den Tower-Fenstern.


Auch der Tower selbst ist mal was anderes, zwar nur spärlich eingerichtet aber für diesen Airport absolut ausreichend und Zweckmässig! An der Stelle auch nochmals ein Dankeschön an die nette Kontrollerin welche uns auf dem Tower empfangen hat.


Während sich der First Officer auf den Weg in den Tower macht, kümmert sich Captain Niebel um den Papierkrieg, die Betankung und den Outside-Check.

Wieder am Boden muss auch mal die eindrückliche Grösse des Airbuses auf die Speicherkarte gebracht werden.



Auch das darf nicht fehlen, ein Bild der gesamten Crew vor ihrem Flieger.


Wieder im Flieger zeigt mir Markus noch schnell den "Weinkeller" des A310 oder besser gesagt den Avionik-Raum unter dem Cockpit. Gut erkennbar sind da unten die Steuerseile, hier ist noch nicht so viel mit Computer und Co!


Der vordere Frachtraum welcher auch über den Avionik-Raum zugänglich ist.


Langsam geht es wieder los und die ersten Passagiere für den Flug nach Basel werden zum Flieger gebracht.


Mittlerweile sind wir nicht mehr der einzige Flieger in Kos, gleich nebenan rollt gerade eine Boeing 737 der Olympic auf ihren Standplatz.


Knapp eine Stunde nach der Landung sind wir wieder ready und auch die Triebwerke laufen bereits als es von einer Minute auf die andere ganz hektisch wird. Der Tower gibt uns bekannt dass im Terminal ein alleinreisendes Kind sei welches eigentlich gar nicht hier sein sollte! Was?? Das Kind soll angeblich nicht nach Kos sondern in den Kosovo fliegen. Also Triebwerke wieder aus und die Situation klären! Im Cockpit beginnt nun ein 20 minütiges Hin und Her, niemand weiss so richtig wohin mit dem Kind und das entsprechende Formular scheint auch Fehler aufzuweisen. Die Frage ist, soll man das Kind hier in Kos lassen oder es wieder mit nach Basel nehmen, oder stimmt die Destination doch? Nach unzähligen Anrufen der verschiedenen Stellen und der Kommunikation mit der Hapag Lloyd Einsatzzentrale in Hannover ist die Situation des Kindes endlich geklärt und wir können unsere Triebwerke wieder starten. Das Kind bleibt in Kos und fliegt von da aus weiter nach Pristina. Ergebniss des "Zwischenfalls" ist eine Verspätung von 20 Minuten und sogar einige aufgebrachte Passagiere mit wilden Fantasien... Im Cockpit hat sich dagegen wieder mal gezeigt, dass ein perfekt eingespieltes Team auch bei Problemen nichtfliegerischer Natur optimal funktioniert.
Knapp nach 7 Uhr Ortszeit stehen wir endlich am Holding Point der RWY 32 und warten bis die Boeing 737 der Olympic gestartet ist. Auf dem Leg nach Basel wird Markus nun der "Pilot flying" sein und den Airbus auf der Route, Kos - Milos - Peloponnes - Keffalonia - Bari - Rimini - Bologna - Mailand - Gotthard, nach Basel fliegen.


Ready for take off! Kurz nach dem Abheben folgt Markus konzentriert dem Flight director.

Teil der Insel Kos

Steigflug auf FL 230



Eine weitere Insel taucht unter uns auf.


Markus kümmert sich um das Routing und kontrolliert eine Abkürzung welche soeben erteilt wurde.


Während draussen ein Meer aus Wolken unter uns vorbeizieht gibt es an Bord der D-AIDD noch eine Besonderheit. Die Maschine welche von der Lufthansa zur Hapag Fly kam hat kein Bordunterhaltungssystem und so sorgt Markus in regelmässigen abständen dafür, dass die Passagiere auch wissen wo wir gerade sind und wo uns unsere Route durchführen wird! Das ganze natürlich in drei Sprachen! Hochdeutsch, Französisch und natürlich Schweizerdeutsch. Spätestens jetzt fühlt sich auch der letzte Passagier so richtig aufgehoben und ein simples "Grüezi" aus dem Cockpit kann schon ein regelrechtes Heimatgefühl vermitteln...

Ein Teil unseres Routings auf dem FMS.



Ein Jumbo der Corsair fliegt in einiger Entfernung an uns vorbei.


Wolken


Heimatgefühl kommt auf als vor dem Cockpit langsam die ersten Berge auftauchen.



Im Cockpit laufen langsam die Vorbereitungen für die Landung an und wir beginnen unseren Sinkflug in Richtung Basel. Für die Passagiere ist nun wieder Zeit sich anzuschnallen.


Tourn right! Via Radar-Vektoren werden wir von der Skyguide zügig in Richtung Basel geführt. Unsere Verspätung konnten wir mittlerweile durch mehrere Abkürzungen auf ein paar wenige Minuten reduzieren.


Der Autopilot ist ausgeschaltet und langsam taucht vor dem Cockpit die RWY 16 von Basel auf.


Markus fliegt den Airbus nun von Hand und korrigiert mit feinen Bewegungen die Flugbahn.


"Cleared to land"


"Touchdown" nicht ganz so sanft wie gewünscht setzt Markus den Airbus auf die Piste, was aber im anbetracht des Windes ganz ok ist und auch vom Captain gelobt wird! Aber das ganze hat ja auch was Positives! "So merken die Schweizer Passagiere, dass sie nun wirklich wieder Zuhause sind!"


Wir verlassen die Piste und rollen in Richtung Standplatz. Und Stop, wir sind in Basel angekommen!

Noch ist aber im Cockpit noch nicht Feierabend, das Logbuch, die Mängeliste etc. müssen noch nachgeführt werden während sich immer wieder ein Kopf eines Passagiers ins Cockpit streckt und sich mit einem "Merci" oder "Danke viel mol, isch a super Landig gsi" beim Landsman im Cockpit bedankt.


Nun müssen nur noch rasch alle Sachen im Cockpit zusammengepackt werden und auch wir verlassen unseren Airbus während gerade eine kleine Schwester in Form eines A320 der Air France, in Richtung Gate rollt. Es ist jetzt 09:30 Uhr Morgens und für Markus und mich heisst es "Feierabend" obwohl es ja Morgen ist!


Diese Texte sind Eigentum des Autors Tino Dietsche. Kopieren - auch auszugsweise - ist nur nach vorheriger, schriftlicher Genehmigung durch flugbegleiter.net bzw. den Autor gestattet. Jede Zuwiderhandlung wird geahndet. Mehr Bilder und Berichte von Tino Dietsche sind auf seiner Homepage www.airpics4you.ch zu finden.