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LH-Tag 1 Drucken E-Mail

Aus dem Tagebuch eines Service Professional der Lufthansa in München:


Hallo!
Ich habe mich mal hingesetzt und meinen heutigen Arbeitstag aufgeschrieben, damit Ihr einen kleinen Einblick habt.
Aber bitte beachtet, dass ich schon seit 5 Jahren dabei bin, Service Professional bin und 32 Std. TZ arbeite. Dies ist somit kein grundsätzlicher Arbeitstag.

Viel Spaß beim Lesen!

Heute war nach vier herrlichen freien Wochen mein erster Arbeitstag einer 6-Tage-Schicht. Unter enormen Zeitdruck bin ich mal wieder in die Arbeit gedüst, um noch rechtzeitig an der Zeituhr zu sein. Vor mir schob wieder einer sein Auto im Zeitlupentempo durch das Mitarbeiterparkhaus und ich war schon wieder kurz davor ihn anzuhupen. Auto geparkt und los ging es im Stechschritt so schnell die Pumps einen tragen Richtung Südflügel. Pünktlich eingestempelt, das wäre geschafft, jetzt noch schnell bei Perseus anmelden und der Arbeitstag kann losgehen.

Dienst: 13.00 – 21.15 Uhr


1. Auftrag: Check-In am Quick Drop Schalter von 13.04 bis 15.00 Uhr.

Vom Spindraum aus gehe ich direkt zum Check-In Schalter. Die Halle ist recht ruhig und es sieht nach einem entspannten Einstieg nach meinem Urlaub aus. Lieber so, als in einer schwarzen Halle zu sitzen, ohne das Ende der Passagierschlange zu sehen..

Boeing 737-300 der LufthansaDie Zeit vergeht mehr oder weniger schnell ohne besondere Vorkommnisse. Zwei Gäste, die am Automaten auf Standby gelandet sind, waren noch das spannendste.

Ursprünglich sollte ich als Folgeauftrag eine Berlin-Maschine manifestieren, bei der ich bereits um 15.00 Uhr auch schon wieder am Gate sein sollte, obwohl der Check-In Auftrag ebenfalls bis 15.00 Uhr eingeteilt war. Da die Passagierzahl eher gering war, sollte es nicht zu stressig werden, wenn ich auch noch 5 Minuten eher am Check-In losflitze, in Absprache mit meinen Nachbarkollegen.
Als ich um kurz vor drei Uhr meinen Auftrag am Telefon ummelden möchte, erlebe ich eine kleine Überraschung. Mein Folgeauftrag wurde geändert und ich sollte jetzt die Ägypt Air manifestieren… Ich überlege kurz, ob ich irgendetwas verbrochen habe oder ob ich mich bei den Disponenten unbeliebt gemacht habe, da ich diesen Auftrag noch so kurzfristig zugeteilt bekomme..


2. Auftrag: Manifestierer für Ägypt Air (MS) nach Kairo von 15.10 bis 15.55 Uhr

Mit gemischten Gefühlen mache ich mich auf zum Gate. Diese Maschine habe ich noch nie manifestiert und ich bin auch nicht ganz glücklich dabei.

Am Gate sitzen drei Gäste als ich dort ankomme… Schon ein paar Meter vor dem Gate höre ich das Telefon störrisch klingeln. Es ist eine Kollegin vom Gruppen Check-In. Dort ist eine große Gruppe jugendlicher Sportler für die MS und fünf davon sind leider auf standby gelandet.. Ob sie denn den Flight Manager schon angerufen hat oder bei MS im Büro, frage ich. Nein, sie wollte direkt am Gate anrufen. Ich bitte sie, den zuständigen FM anzurufen oder den Vertreter von MS, da ich gerade erst angekommen bin, der Rechner noch nicht läuft und ich sowieso bei der Maschine nichts zu sagen habe…

30 Min vor Abflug kommt der Vertreter von Bord der Maschine. Wir könnten jetzt einsteigen, meint er. Er guckt sich um und fragt, wo die ganzen Gäste sind. Ich zucke mit den Schultern, keine Ahnung ,wo sie alle sind. Ich erkläre ihm, dass wir derzeit 5 Gäste auf standby haben, wie er damit weiter verfahren möchte. Er meint, wir laufen nicht über und verschwindet wieder durch die Tür zum Flieger.
Mein FM kommt zum Gate und fragt, wie es aussieht. Ich meinte, dass der Vertreter gerade wieder an Bord ist. Er sagte etwas von Einsteigen, wo die Gäste denn sind und eigentlich sagte er auch wieder gar nichts.

Mein FM bittet mich, an Bord zu gehen und mit dem MS Vertreter noch mal genau alles abzusprechen. Kurze Zeit später bin ich wieder da. Wir sollen mit Einsteigen anfangen, die geblockten Sitzplätze aufmachen. Es gab noch eine Tüte ägyptische Bonbons vom Vertreter.

Die ersten Gäste steigen ein. Aber wo bleibt die große Gruppe der Kinder und Jugendlichen?? Die Zeit sitzt uns im Nacken...

Die ersten trudeln ein, ebenfalls die ersten falsch gelifteten Tickets durch unseren Check-In. Die Kinder sprechen kein Wort Englisch oder Deutsch und der Teamchef ist noch nicht da. Laut Vertreter sollen alle mit falschen Tickets schon mal einsteigen, wir bekommen die richtigen Tickets dann bestimmt später, wenn der Teamchef zum Gate kommt. Mein zugeteilter Einsteiger hat sich mittlerweile auch gemeldet, sie hing noch an einem anderen Flieger fest, kommt jetzt aber direkt zu mir.

10 Minuten vor Abflug. Der Teamchef ist da, es fehlen noch fast 30 Kids und wir durchforsten einen Stapel Ticketheftchen, um die richtigen Tickets für die Strecke München-Kairo rauszusuchen.

Der Teamchef betet noch mal eben schnell Richtung Mekka, während wir mit einer Ansage die letzten Gäste einsammeln. Endlich, Tickets alle da, die Zahlen stimmen, Gäste mittlerweile ebenfalls alle an Bord. Schnell den Abschluß, die erforderlichen Ausdrucke. Schnell, schnell, wir wollen kein Delay. Gerade noch in letzter Minute geht die Maschine offblock. Einer der wenigen Flieger der MS, der pünktlich ist...

In Ruhe kann ich nun die Papiere fertig drucken für die Ablage und der MS Vertreter nimmt die Tickets gleich mit. Er verabschiedet sich herzlich und bedankt sich und geht zurück in sein Büro. Der Spuk der Ägypt Air ist vorbei. Für mich jedenfalls. Für heute.

Ich melde mich um und gehe langsam zu meinem Folgeauftrag los. Auf dem Weg dorthin reicht es auch noch für einen kurzen 5 Minuten Schwatz mit einer Kollegin, die ich auf den Weg dorthin am Gate treffe. Lange nicht gesehen, wo ich so lange denn war, fragt sie mich...


Pushback eines Airbus A319 der Lufthansa3. Auftrag: Manifestierer einer Lufthansa Maschine nach Budapest 16.25 bis 17.10 Uhr:

Ich bin 5 Minuten eher am Gate. Egal. Da ich den Auftrag schon zu Dienstbeginn zugeteilt hatte, weiß ich, dass es mittlerweile einen Gatechange für die Maschine gab... Mein Gate fällt nicht mehr in den Bereich für den die FIS bei uns in MUC zentral die Passkontrolle macht, d.h. ich brauche später einen eigenen FIS Mitarbeiter für meine Passkontrolle beim Einsteigen. Ich muß unbedingt daran denken, rechtzeitig bei der FIS im Büro anzurufen, dass ein Mitarbeiter pünktlich bei mir sein wird...
35 Minuten vor Abflug. Ich fange an im Büro bei der FIS Sturm zu klingeln, aber es geht niemand ans Telefon. Naja, was soll es. Ich habe ja noch ein wenig Zeit.

30 Minuten vor Abflug. Immer noch niemand erreicht. Das Einsteigen soll in 10 Minuten losgehen.

25 Minuten vor Abflug.
Der Kapitän ruft an; wir können dann pünktlich nach Referenzmodell einsteigen. Ich erkläre ihm, dass ich immer noch niemand bzgl. der Passkontrolle erreicht habe und es kann sich noch etwas verzögern. FM und HCC wurden informiert und wir versuchen unser Bestes, dass es bald losgehen kann.

20 Minuten vor Abflug. Ich werde nervös, mein FM ebenfalls. Wir rufen abwechselnd alle Telefonnummern durch, die wir vom FIS Büro haben. Kein Erfolg. Sie scheinen wie vom Erdboden verschluckt...

15 Minuten vor Abflug. Ich mag nicht mehr und bin genervt. Die Gäste werden ebenfalls nervös. Ich rufe in Absprache mit meinem FM beim HCC an und bitte darum, die Authority zu erteilen, die Passkontrolle für den Flieger selber durchzuführen. Das HCC muß dies erst abklären, ob wir eine Ausnahme machen können. Man will mich gleich zurückrufen...

12 Minuten vor Abflug. Anruf vom HCC. Passkontrolle darf ausnahmsweise von mir selber durchgeführt werden. Das Boarding kann beginnen. Während ich mit Einsteigen anfange, ruft mein FM noch schnell beim Kapitän an, dass wir jetzt loslegen können.
Mit soviel übertragener Verantwortung bei der Passkontrolle muß man sich alle Pässe genau angucken. Fehler dürfen jetzt definitiv keine passieren.

Genau zur Abflugzeit flitzt der letzte Gast die Treppe zum Flieger runter. Schnell den Abschluß an den Rampagenten übergeben, noch einen kurzen Gruß an die Crew und ins Cockpit mit einer kleinen Entschuldigung, dass mal wieder alles schief lief oben bei uns. Tür zu. Mit sechs Minuten Delay wird die Maschine gepusht. Geschafft!

Ich schließe den Flieger ab, mache alle Papiere für die Ablage fertig. Mittlerweile ist es 2 Min bevor meine Pause angeht. Ich melde mich um. Ohne Übergang gehe ich in die Pause. Verschieben wollte ich sie nicht, da ich nach der Pause wieder mit wenig Übergang einen Flieger haben sollte und diesen wollte ich nicht verlieren.


Pause von 17.20 bis 18.05 Uhr
Ich möchte im Lokal essen gehen, aber es ist dort so voll, dass das Essen bestimmt nicht schnell genug kommt. Plan B. Irgendwo ein Brötchen essen gehen. Nicht so toll, aber egal. Die Pause geht zu Ende und ich hole mir noch einen Coffee to go und mache mich mit meinem Kaffee auf zum nächsten Auftrag.


4. Auftrag: Manifestierer einer Lufthansa Maschine nach Toulouse 18.10 bis 18.55 Uhr:

Ich schaffe es pünktlich zum Gate, obwohl es am letzten Ende des Terminal liegt und ich flott unterwegs war. Die Maschine soll mit 15 minütiger Verspätung in München gg. 18.30 Uhr landen. Bis dahin prüfe ich alle Zahlen und checke auch meinen Folgeauftrag. Dann heißt es warten. Sobald die Maschine landet, mache ich eine kleine Ansage bzgl. der Boardingverzögerung und einer kleinen Abflugsverspätung von etwa 10 Min.

18.33 Uhr ist die Maschine on block. 18.35 Uhr bestelle ich den Bus nach Referenzmodell. 18.41 Uhr rufe ich beim Kapitän an, wie es denn aussieht mit dem Einsteigen. Er meint, er ist noch nicht an Bord, aber meldet sich die nächsten Minuten.. Ich warte. Niemand meldet sich.

Um 18.48 Uhr fange ich in eigener Entscheidung mit Einsteigen an. Ich melde dem Busfahrer, dass alle Gäste in einen Bus sollen und wir keinen Folgebus benötigen. Ich lasse mir Zeit mit dem Einsteigen, falls doch noch etwas mit dem Flieger sein sollte und der Kapitän anruft, dass ein technischer Defekt aufgetreten ist. In diesem Fall müsste ich das Boarding stoppen und alle Gäste wieder aus dem Bus nach oben in den Abflugbereich bringen.

18.57 Uhr. Alle Fluggäste sind eingestiegen, der Bus im hold. Die Rampe erreiche ich nicht. 18.58 Uhr. Endlich. Ich erreiche den Kapitän. Er meint, wir können jetzt loslegen.. Ich sage ihm, dass ich den Bus losfahren lasse. Das ich bereits früher ohne seine Rücksprache mit dem Einsteigen begonnen habe, verkneife ich mir... Mein Gefühl war richtig diesbezüglich.

5 Minuten vor Abflugszeit fährt somit der Bus mit den erforderlichen Papieren los zum Flieger. Und schon muß ich mich wieder ummelden und der nächste Auftrag wartet. Minus-Übergang, aber der Folgeflieger ist am gleichen Gate. Somit muß ich die Rechner nicht neu starten. Wie praktisch.


5. Auftrag: Manifestierer einer Cirrus Maschine nach Erfurt 19.00 bis 19.45 Uhr:

Spannend. 10 gebuchte Gäste, davon lediglich 7 eingecheckt. Während ich die Zeit verstreichen lasse, melde ich noch meinem FM von der Toulouse Maschine, wie das weitere Delay zustande gekommen ist. Er braucht das für den Schichtbericht.
Da ich nur so wenig Gäste habe, bestelle ich den Bus 5 Minuten später als Referenzmodell.

20 Minuten vor Abflug steigen alle ein. Es kommt noch ein nichtdurchabgefertigter Transitgast aus Dänemark. Schnell noch einchecken, Gepäck erfassen. Wunderbar, es geht auf Grün und hat die Verladefreigabe erhalten.

15 Minuten vor Abflug ist alles fertig. Jetzt muß ich nur noch alle erforderlichen Papiere ausdrucken, da es ein kleiner Flieger ohne Acars ist. Pünktlich fährt der Bus mit meinen 8 Gästen los.

Um 19.45 Uhr mache ich mein Gate zu. Am Nachbargate ist eine Kollegin aus dem United Airlines Team. Mein Folgeauftrag lässt mir noch ein wenig Zeit und wir halten noch einen kleinen Plausch. Anschließend mache ich mich auf zum Gate für meinen letzten Auftrag an diesem Tag.


6. Auftrag: Manifestierer einer Lufthansa Maschine nach Pisa 20.15 bis 21.00 Uhr:

Endspurt. Letzter Auftrag. Es handelt sich um einen Air Dolomiti Flieger. D.h. es dürfte alles schön pünktlich ablaufen. Die Maschine ist bereits gelandet. Jetzt heißt es warten bis zum Bus bestellen und einsteigen.

30 Minuten vor Abflug rufe ich den Bus. Dieser ist bereits 3 Min später vor dem Gate und ich kann mit dem Einsteigen beginnen. Innerhalb von 5 Minuten sind alle Gäste eingestiegen, nur ein Transitgast fehlt noch. Dieser ist aber gerade erst gelandet, braucht also noch ein paar Minuten. Ich gebe dem Busfahrer Bescheid, dass er mir bitte noch einen zweiten Bus schicken soll und er mit den anderen Gästen bitte schon zum Flieger rausfahren soll. Der 2. Bus ist da und ich sehe schon in der Entfernung jemand in meine Richtung rennen. Das könnte der Transitgast sein, geht es mir durch den Kopf. Richtig. Ein klein wenig aus der Puste ist er ja schon. Rein in den Bus mit ihm, Boarding abschliessen. Der letzte Bus ist mit dem letzten Passagier unterwegs. Ich rufe draußen am Flieger an, gebe Bescheid, dass zwei Busse kommen und gebe noch die Abschlusszahlen durch.
Fertig. Um 20.50 Uhr ist die Maschine fertig.

Ich melde mich um und gehe Richtung Arbeitsraum. Ich muß nun noch alle Tickettüten ablegen, für die Cirrus eine eigene Tüte ausfüllen und alle Flightsheets von meinen Fliegern abheften. Anschließend kann ich nach Hause gehen.

Der Tag ist vorüber. Alles in allem war er ok. Ich bin gespannt, was der morgige Tag bringen wird.

 


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